Multichannel-Kundensupport-Software gilt als Schlüssel für effiziente, moderne Customer-Support-Prozesse. Sie verspricht nahtlose Anfragenbearbeitung über E-Mail, Chat, Telefon, Social Media und mehr.
Doch in der Praxis zeigt sich: Viele Implementierungen bleiben hinter den Erwartungen zurück oder scheitern sogar vollständig. Die Ursache liegt selten in der Software selbst – sondern fast immer in der Umsetzung.
Dieser Artikel zeigt die 12 häufigsten Fehlerursachen und gibt Ihnen konkrete Maßnahmen an die Hand, wie Sie Ihre Support-Workflow-Optimierung erfolgreich gestalten.
Problem: Viele Unternehmen betreiben verschiedene Kanäle (E-Mail, Chat, Telefon) isoliert voneinander. Prozesse unterscheiden sich je Kanal – Chaos ist vorprogrammiert.
Folge: Inkonsistente Antworten, ineffiziente Anfragenbearbeitung und schlechte Kundenerlebnisse.
Lösung: Definieren Sie kanalübergreifende Standardprozesse und vereinheitlichen Sie Workflows. Jeder Kanal sollte Teil eines zentralen Systems sein.
Problem: Kundendaten sind über mehrere Systeme verteilt – es gibt keine 360°-Sicht.
Folge: Agenten arbeiten blind, Kunden müssen sich wiederholen, und die Servicequalität sinkt.
Lösung: Setzen Sie auf ein zentrales Customer Data Model, das alle Interaktionen bündelt und kontextbezogen verfügbar macht.
Problem: Zu viele Tools für verschiedene Aufgaben – ohne Integration.
Folge: Ungenutzte Ressourcen, Medienbrüche, ineffiziente Prozesse und hohe Fehleranfälligkeit.
Lösung: Reduzieren Sie Komplexität durch eine integrierte Plattformstrategie statt Tool-Silos. Multichannel-Lösungen sind für fast alle Bereiche verfügbar. Achten Sie auf deren Schwerpunkte.
Problem: Die Implementierung wird unterschätzt – Fokus liegt nur auf Features.
Folge: Die Software wird falsch genutzt,falsch konfiguriert oder die Möglichkeiten der Software werden nicht berücksichtigt.
Lösung: Planen Sie eine strukturierte Implementierung und Einführung, inklusive Pilotphase, Schulung und klaren Use Cases. Planen Sie nach 6 Monaten und nach 12 Monaten jeweils einen Tag, an dem der Hersteller der Software vorbei kommt und die Nutzung der Software beurteilt, evtl. noch ungenutzte Potentiale aufzeigt und bei der Optimierung von Arbeitsabläufen unterstützt.
Problem: Fokus auf isolierte Kennzahlen wie Bearbeitungszeit statt Kundenzufriedenheit.
Folge: Kurzfristige Effizienz auf Kosten der Servicequalität.
Lösung: Definieren Sie ganzheitliche KPIs, z. B.:First Contact Resolution
Kundenzufriedenheit (CSAT)
Prozessqualität
Sentiment-Wert (Stimmung der Kunden)
Die obigen Werte sind eher strategisch und unterstützen den Gesamteindruck vom Service Center. Es muss aber auch der operative Teil des Service Centers zur Steuerung der Ressourcen betrachtet werden:
Anzahl Vorgänge am Tag, aufgelöst nach Stunde
Durchschnittliche Anzahl heute bearbeiteter Vorgänge je Agent, aufgelöst nach Stunde
Anzahl Vorgänge je Bereich und Tag
Problem: Automatisierung wird entweder gar nicht genutzt oder falsch eingesetzt.
Folge: Hoher manueller Aufwand und schlechte Kundenerlebnisse durch unpassende Automationen.
Lösung: Implementieren Sie gezielte Automatisierung entlang klar definierter Use Cases – nicht pauschal. Eine Automatisierung bedeutet nicht immer einen Prozess vollständig zu automatisieren. Automatisierung kann den Mitarbeiter auch in Form einer Teilautomatisierung unterstützen. Beginnen Sie mit einer Automatisierung einfacher, standardisierter Vorgänge, z.B. der Änderung der Bankverbindung, etc.
Problem: Niemand fühlt sich verantwortlich für Prozesse, Daten oder Systeme.
Folge: Stillstand, ineffiziente Weiterentwicklung und Chaos im Betrieb.
Lösung: Definieren Sie klare Rollen, z. B.:
Process Owner
System Owner
Data Owner
Wichtig ist, dass Sie für Ihr Projekt einen Sponsor im Vorstand haben. Das verleiht dem Projekt die notwendige Wahrnehmung und gegebenenfalls auch ein Druckmittel gegenüber unwilligen Kollegen..
Problem: Unvollständige, inkonsistente oder veraltete Daten.
Folge: Fehlentscheidungen, schlechte Automatisierung und ineffiziente Prozesse.
Lösung: Etablieren Sie Daten-Governance und Qualitätsstandards als festen Bestandteil Ihrer Customer-Support-Prozesse. Auch hier ist es wichtig, Verantwortliche für die Datenqualität zu benennen.
Problem: Neue Systeme werden eingeführt, ohne die Teams einzubinden.
Folge: Widerstand, geringe Nutzung und ineffektive Prozesse.
Lösung: Setzen Sie auf Change Management:
Frühzeitige Einbindung schon in der Planungsphase
Nutzen Sie die Erfahrung der Kollegen bei der Lösungsfindung
Schulungen
Transparente Kommunikation
Problem: Unternehmen optimieren einzelne Kanäle statt die gesamte Customer Journey.
Folge: Fragmentierte Erlebnisse und unzufriedene Kunden.
Lösung: Denken Sie in End-to-End-Kundenerlebnissen, nicht in Kanälen. Überlegen Sie, an welchen Stellen der Kunde Berührungspunkte zum Unternehmen hat, und optimieren Sie diese Prozesse aus Kundensicht.
Problem: Nach der Einführung wird die Software nicht weiterentwickelt.
Folge: Prozesse veralten, Potenziale bleiben ungenutzt.
Lösung: Etablieren Sie einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) mit regelmäßigen Reviews und Anpassungen. Software sollte in einem jährlichen Turnus einer Überprüfung unterzogen werden. Überprüfen Sie, ob ein Update neue Möglichkeiten, z.B. durch Einsatz einer neuen Funktionalität, bietet.
Problem: Technologie wird als Allheilmittel gesehen.
Folge: Ineffiziente Prozesse werden digitalisiert – statt verbessert.
Lösung: Optimieren Sie zuerst Ihre Support-Workflows, bevor Sie Technologie darauf anwenden. Technologie ist kein Allheilmittel. Sie brauchen als Basis gesunde Prozesse, um diese durch Technologie so weit wie möglich zu optimieren.
Fazit: Erfolg entsteht durch Umsetzung – nicht durch Software allein
Multichannel-Kundensupport-Software kann enorme Effizienzgewinne bringen – wenn sie richtig eingesetzt wird. Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt nicht in der Technologie, sondern in:
klaren Prozessen
definierter Zuständigkeit
sauberer Datenbasis
durchdachter Implementierung
und einer konsequenten Kundenorientierung
Wer diese Faktoren berücksichtigt, schafft die Grundlage für nachhaltige Support-Workflow-Optimierung und exzellente Anfragenbearbeitung.
Einheitliche Prozesse über alle Kanäle definiert
Zentrales Kundendatenmodell etabliert
Klare Verantwortlichkeiten festgelegt
KPIs kundenorientiert ausgerichtet
Automatisierung gezielt eingesetzt
Mitarbeitende aktiv eingebunden
Kontinuierliche Optimierung eingeplant